Segnung homosexueller Paare

Katholische Segnungsaktion #liebegewinnt für alle Paare

Der Kuss - ein Symbol für die Eheschließung
gettyimages/Fly View Productions

Trotz Verbot: Die Aktion #liebegewinnt setzt ein Zeichen für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Und das in der Katholischen Kirche.

Unter dem Motto #liebegewinnt finden rund um den 10. Mai deutschlandweit katholische Gottesdienste statt, in denen Liebende aller Art, unter ihnen explizit auch gleichgeschlechtliche Paare einen Segen zugesprochen bekommen sollen. Damit wollen die Initiatoren ein Zeichen gegen die Absage des Vatikans zu der in den vergangenen Wochen viel diskutierten Frage der katholischen Segenspraxis setzen.

Das „Nein“ zur Segnung homosexueller Paare vom Vatikan

Am 15. März hatte die katholische Glaubenskongregation in Rom mit Zustimmung von Papst Franziskus jede Segnungsform für unzulässig erklärt, mit der über den Segen von Einzelperson hinaus auch die homosexuelle Partnerschaft anerkannt werde.

Hier gibt es mehr dazu

Segen für queere Paare in der katholischen Kirche

Ich kann mir nicht vorstellen, warum es schaden sollte, auch queere Paare zu segnen“, sagt Christine Schardt, Pastoralreferentin an der Katholischen Hochschulgemeinde in Mainz. Sie gestaltet am Montagabend einen der rund 110 Segnungsgottesdienste. Der Segen sei für alle Menschen da, betont sie, weshalb es keinen Grund gebe, einige davon auszuschließen.

„Kirche darf Homosexuelle nicht diskrimineiren“

Vor allem auch das Thema Diskriminierung ist ihr dabei wichtig. „In anderen Ländern werden Menschen aufgrund ihrer Lebensform bereits diskriminiert, da dürfen wir uns als Kirche nicht einreihen“, erklärt sie. Denn das, ist sie überzeugt, stehe auch entgegen aller christlichen Grundüberzeugungen.

Wir sind alle geliebte Kinder Gottes.

„Deswegen geht es auch um ein gleichberechtigtes Leben aller Menschen und um eine offene, freie und plurale Gesellschaft, in der wir uns gegenseitig achten und wertschätzen.“

Auch Glaubwürdigkeit spiele dabei eine Rolle. „Ich bin selbst Mutter und Oma. Wie soll ich meinen Enkelkindern glaubwürdig etwas von christlicher Nächstenliebe erzählen, wenn ich gleichzeitig bestimmte Menschen vom Segen Gottes ausschließe?“

Die Liebe zwischen Menschen, sagt sie, sei selbst ein Segen. In der Liebe untereinander drücke sich auch die Liebe Gottes zu den Menschen aus. „Den Segen anderen Menschen zu spenden, das gehört zu unseren zentralen Aufgaben als Christ:innen. Vor allem aber wird der Segen auch nicht weniger, wenn man ihn teilt.

#liebegewinnt soll kein Protest gegen Papst & Vatikan sein

Segnung homosexueller Paare in der evangelischen Kirche

In der Evangelischen Kirche können sich homosexuelle Paare bereits seit rund 20 Jahren trauen lassen. Vorreiter dabei war die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). 

Ähnlich sieht das der Kapuzinerpater Stefan Huppertz von der Frankfurter Liebfrauenkirche. „Durch die Verlautbarung aus dem Vatikan sind viele Menschen in ihrer Lebensgrundhaltung verletzt worden. Deswegen ist die Aktion ein hilfreiches Zeichen vor allem von Akzeptanz diesen Menschen gegenüber.“

Entsprechend handle es sich auch nicht um einen Protest gegen den Papst oder Vatikan, sondern vor allem um ein positives Zeichen für diejenigen, die sich durch die letzte Verlautbarung zur Segenspraxis irritiert, verletzt oder enttäuscht gefühlt haben. „Es sind keine speziellen Segnungsgottesdienste, sondern eine ganz normale Messe, in der sich Liebende einen Segen zugesprochen bekommen. Wir möchten das ganz bewusst in das Normale einbinden.“

Denn dass manche Menschen homosexuell sind, das ist eigentlich nicht mehr der Rede wert.

Segnungsgottesdienste in der katholischen Kirche

Wusstest du...

…dass es in der katholischen Kirche schon lange Praxis ist, homosexuelle Paare heimlich zu segnen? Teilweise schon seit Jahrzehnten. Auch deswegen gibt es diese Aktion. 

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hatte Ende April gesagt, er halte öffentliche Aktionen wie diese nicht für ein hilfreiches Zeichen und einen weiterführenden Weg. Segnungsgottesdienste hätten ihre eigene theologische Würde und pastorale Bedeutung. „Sie sind nicht als Instrument für kirchenpolitische Manifestationen oder Protestaktionen geeignet“, so der Limburger Bischof.

Dagegen erklärte das „Katholische LSBT+Komitee“ Anfang Mai, mit der bundesweiten Aktion gebe die katholische Kirche Paaren die Würde und Akzeptanz zurück, die ihnen durch die Ablehnung des Vatikans genommen worden sei. Laut der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche haben sich bislang Hunderte von Priestern und pastoralen Mitarbeitern mit den Zielen der Aktion solidarisch erklärt.