Corona, 9/11 und Co.

10 Tipps zum Umgang mit Verschwörungstheoretikern

10 Tipps zum Umgang mit Verschwörungstheoretiker:innen
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Verschwörungsmythen gibt es überall und zu fast jedem Thema. Aber wie soll ich darauf reagieren? Wir geben dir 10 wertvolle Tipps!

Wenn der Vater sich nicht gegen Corona impfen lässt, weil er sich nicht als „Versuchskaninchen“ gelten möchte, oder die Oma, die behauptet: „Am 11. September 2001 ist gar kein Flugzeug ins World Trade Center geflogen!“ 

Wenn du das liest, wie geht es dir damit? Wahrscheinlich bist du anderer Meinung und machst dir Sorgen, was mit deinen Verwandten los ist. Wie kommt es, dass eigentlich unschlagbare Beweise nicht gelten? Dass Freunde und Verwandte eine Verschwörung mumaßen? 

Praktische Tipps, wie du die Verschwörungs-Argumente entkräftest

1. Verschwörungstheorien erkennen

2. Im Gespräch über Verschwörungsmythen respektvoll bleiben

3. Mit Medienkompetenz punkten

4. Checke die Hintergründe deines Gegenübers

5. Nimm die Sorgen deines Gegenübers ernst

6. Interveniere möglichst früh

7. Stelle die richtigen Fragen

8. Erzähle emotionale Gegengeschichten

9. Ziehe klare Grenzen

10. Such dir Unterstützung und Hilfe

Totschlagargumente helfen nicht gegen Verschwörungstheorien

Zwei Sprechblasen mit Frage- und Ausrufezeichen
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Den Verwirrungen von Verschwörungstheorien entkommst du nur mit Konzept.

1. Verschwörungstherorien erkennen

„Das ist eine Verschwörungsideologie“ ist ein Totschlagargument, das eine Diskussion erst einmal unterbindet. Also Vorsicht damit! Hinter den Verschwörungen stehen oft ethische oder politische Bedenken, die einen wahren Kern haben könnten. So ist es zum Beispiel vollkommen nachvollziehbar, im Zuge der Digitalisierung darüber zu sprechen, dass Handys oder Social-Media-Plattformen persönliche und private Daten sammeln.

Sobald dann allerdings „dunkle Mächte“ ins Spiel kommen, die nicht näher beschrieben werden können, kann eine Behauptung mit einem passenden Sündenbock schnell zur Verschwörungstheorie werden.

2. Im Gespräch über Verschwörungsmythen respektvoll bleiben

Auch, wenn es schwer fällt: Versuche, dich mit deiner:deinem Gesprächspartner:in auf Augenhöhe zu unterhalten. Sei respektvoll und freundlich im Umgang, aber verlange selbiges auch von deinem Gegenüber. Das ist die Basis einer ernsthaften Kommunikation!

Dein Gegenüber soll bemerken, dass du ihm oder ihr „nichts Böses“ willst. Denn genau dieses Schwarz-Weiß-Malen von „Gut und Böse“ versuchst du ja aufzubrechen. Das geht nur, wenn ihr euch gleichrangig begegnet.

3. Mit Medienkompetenz punkten

Das ist gar nicht so einfach: Viele Verschwörungstheoretiker:innen sehen sich selbst als besonders kritisch denkende Menschen. Sie denken, selbst den „wahren Durchblick“ zu haben und vertrauen nicht auf die sogenannten „Mainstream-Medien“. Aber du kannst den Spieß umdrehen!

„Verhafte“ dein Gegenüber ein Stück weit, indem du Belege für die getroffenen Behauptungen forderst. Wenn du von diesen „Medien“ noch nie gehört hast, dann ist das ein gutes Indiz für eine unseriöse Quelle.Deswegen solltest du deine eigene Medienkompetenz stärken, indem du in Erfahrung bringst, wie Fake-News zu erkennen sind.

Wenn du dein eigenes kritisches Denken verfeinert hast, wird es dir auch leichter fallen, Fake-News deines Gegenübers zu enttarnen.

4. Checke die Hintergründe deines Gegenübers

Eine Frage kann besonders spannend sein: Warum glaubt er oder sie eigentlich an die Verschwörung? Meist ist es weniger eine psychische Veranlagung. Meist geht es um bestimmte Gefühle oder um eine einschneidende biographische Lebenserfahrung.

Traue dich also, auch von dir etwas preizugeben. Versuche so herauszufinden, warum dein Gegenüber so darauf beharrt, den Verschwörungsmythos aufrecht zu erhalten. Hat die Person zum Beispiel in der DDR negative Erfahrungen mit der Regierung gehabt und reagiert deshalb sensibler auf Corona-Kontaktbeschränkungen? Vielleicht ist ein persönliches Gespräch die bessere Varinate als eine harte Diskussion?

P. S.: Ganz besonders, wenn ihr euch nur textet, entstehen oft Missverständnisse!

5. Nimm die Sorgen deines Gegenübers ernst

Oft stehen hinter Verschwörungstheorien ernsthafte Sorgen. Vielleicht hat dein Gegenüber einfach Angst, bevormundet zu werden?

Besonders im Familienkreis ist es wichtig, Ängste und Sorgen anzusprechen. Hier gilt es, ein Stück weit das eigene Empathievermögen einzubringen und auf die Person einzugehen.

Aber Achtung: Bleibt bei einem Thema und wechselt nicht von einer auf die nächste Verschwörungserzählung. Wenn dir also die Sorgen bezüglich einer konkreten Verschwörung klar werden, versuche, erst einmal dieses Thema zu behandeln. Vielleicht könnt ihr so gemeinsam etwas erreichen?

Mit Bedacht gegen Verschwörungstheoretiker vorgehen

Demonstration der "Querdenken"-Bewegung in Hamburg
epd/Stephan Wallocha
Eine Querdenker-Demonstration in Hamburg. Hier sind viele Corona-Verschwörungen im Umlauf.

6. Interveniere möglichst früh

Umso länger eine Person an eine Verschwörungserzählung glaubt, umso schwieriger ist es, sie doch noch vom Gegenteil zu überzeugen. Wenn sich eine „Theorie“ erst mal festsetzt, ist es schwer, diese auch wieder abzulegen. Sobald du also was merkst, bitte nicht schweigen, sondern versuche sobald wie möglich, darüber zu sprechen.

Insbesondere festgefahrene Verschwörungswelten können einen nachhaltigen, negativen Einfluss auf die Gesellschaft und unsere Demokratie haben. Es ist dennoch wichtig, auch zu betonen, dass nicht alle Verschwörungstheoretiker:innen kriminell sein müssen. Trotzdem ist Vorsicht geboten.

7. Stelle die richtigen Fragen

Mit gezielten Fragen kannst du dein Gegenüber sehr in die Predouille bringen. Insbesondere die W-Fragen:

  • Wer?
  • Wo?
  • Was genau?
  • Wie genau?
  • Weshalb ist das so? 

können dir dabei helfen, weg von der Ideologie in einen Bereich der Fakten zu kommen. Im besten Falle wird dein Gegenüber selbst bemerken, dass er oder sie nicht wirklich umfassend informiert ist. 

8. Erzähle emotionale Gegengeschichten 

Oft beginnen Verschwörungsideologien mit teils sehr persönlichen Betroffenheitsbekundungen. Nüchterne und sachliche Fakten können dagegen nicht anstinken. Aber du kannst damit kontern, indem du Geschichten aus deiner eigenen Gefühlswelt erzählst, die zum Thema passen. 

Ein Beispiel: Auf die Aussage „Corona gibt es doch gar nicht, die Regierung will uns nur kontrollieren“ könntest du erzählen, was dich beim Thema betroffen macht. Etwa: „Meine Bekannte arbeitet im Krankenhaus auf der Intensivstation. Sie hat viele Menschen mit Corona sterben sehen. Das geht auch mir sehr nahe!

Klassische Verschwörungen erkennen

  • Behauptung, eine kleine Gruppe wolle allen anderen Menschen schaden.
  • Die Aussagen haben einen starken Appellcharakter - beispielsweise: „Die Menschen sollten doch bitteschön endlich aufwachen und sich wehren.“
  • Keine Bereitschaft, die eigenen Positionen zu überdenken, auch wenn die Logik gegen sie spricht.
  • Die Abwesenheit von Beweisen wird als Beweis interpretiert - weil ja angeblich die Mächtigen die Suche nach der Wahrheit behindern und Beweise unterdrücken.

9. Ziehe klare Grenzen

Es kann anstrengend sein, wieder und wieder gegen Verschwörungsmythen zu argumentieren. Ziehe deshalb für dich eine klare Grenze! Wenn es zu abstrus wird, kannst du ein Gespräch mit gutem Gewissen abbrechen, ebenso bei rassistischen oder diskriminierenden Tendenzen. Bringe deine Bedenken klar zum Ausdruck und entgegne derartigen Aussagen entschlossen.

Aber auch dein Gegenüber kann Grenzen ziehen. Wenn du selbst ideologisch oder nur noch subjektiv argumentierst, wird auch der oder die Verschwörungstheoretiker:in das Gespräch beenden. 

10. Such dir Unterstützung und Hilfe

Trotz jeglicher Mühe kann es sein, dass dein Gegenüber sich nicht überzeugen lässt. Gerade im Familienkreis kann einem das schon sehr Nahe gehen.

Verschwörungsideologien sind kein neues Phänomen, deshalb gibt es schon lange viele Beratungsstellen, so wie bei Pfarrer Oliver Koch im Zentrum Ökumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).

Aber auch mit Freund:innen kannst du dich austauschen und Allianzen gründen, indem ihr einfach gemeinsam etwas gegen das beschämende Schweigen bei Verschwörungstheorien unternehmt 💪. 

Corona beschleunigt Verschwörungserzählungen

Oliver Koch ist der Frankfurter Referenten für Weltanschauungsfragen. Er sagte gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd), dass Verschwörungstheorien gerade sehr hoch im Kurs sind. Der Pfarrer aus dem Zentrum Ökumene bestätigt, dass immer mehr Menschen seine Hilfe suchen (täglich drei bis vier Beratungen). 

Corona ist ein psychologischer Brandbeschleuniger!

Menschen, die Verschwörungstheoretiker:innen in ihrem direkten Umfeld haben, berichten von immer „dramatischeren“ Fällen. Jahrzehntelange Beziehungen seien am Zerbrechen, wenn ein Partner den ganzen Alltag durch die Brille einer Verschwörungsideologie sehe. „Menschen sind verzweifelt.“

Für das Zentrum gesellschaftliche Verantwortung der EKHN haben Oliver Koch und Matthias Blöser Tipps zusammengestellt, die dir im Umgang mit Verschwörungstheoretiker:innen helfen sollen (die ausfühliche Broschüre als PDF liest du hier).

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Du hast dir alle Tipps durchgelesen und möchstest jetzt gegen Schwurbler:innen das Wort erheben? Dann berichte uns davon! Welche Tipps haben dich weiter gebracht, und wie waren die Reaktionen deines Gegenübers? Hast du selbst Erfahrungen gemacht und deshalb auch noch ein paar weitere Tipps? 

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