Gegen den Pflegenotstand

Influencer machen Werbung für die Pflege

Dena und Jimmyboy machen auf Instagram Werbung für die Pflege
@pflegehelden & @jimboy27_official

Deutschland fehlen Zehntausende Pflegekräfte. Einrichtungen müssen kreativ sein, um Auszubildende zu gewinnen. Auf Instagram nehmen Pflegekräfte die Sache selbst in die Hand. 

Screenshot Instagram @pflegehelden
Dustin Struwe hat die Seite „Pflegehelden“ auf Instagram erstellt. Er selbst schreibt und singt Lieder über den Pflege-Alltag.

Dennis ist breit gebaut, überall tätowiert. Luise ist gepierct, hat ihre Haare graublond gefärbt. Die beiden arbeiten in der Pflege. Und sie Teil des Instagram-Accounts „Pflegehelden“ von Dustin Struwe.

Instagram-Account von und für Pflegekräfte

15000 Abonnenten hat die Seite des 29-jährigen Altenpflegers aus dem oberfränkischen Rödental. Die Fotos und Videos zeigen junge Menschen, die in einem Pflegeberuf arbeiten. 

Zahlen und Fakten

Nach Angaben des Deutschen Pflegerats werden bis 2030 fast 500.000 Vollzeitkräfte fehlen, wenn sich die derzeitigen Trends fortsetzen. 

Dustins Ziel: den Leuten zeigen, wie vielfältig der Beruf und die Menschen dahinter sind. Oftmals herrschten Klischees wie „Alle Alten- und Krankenpfleger sind dick“, erklärt er. Unter Hashtags wie #altenpflegerinmitherz finden sich auf Instagram Tausende Beiträge von Pflegepersonal. 

Ein wenig Werbung also für die Branche. Mit Blick auf die Zahlen ist das auch mehr als nötig. Nach Angaben des Deutschen Pflegerats werden bis 2030 fast 500.000 Vollzeitkräfte fehlen, wenn sich die Trends fortsetzen. 

Auf seinem privaten Profil hält Dustin sich mit Aussagen zur Pflege eigentlich zurück. Vor einigen Wochen hatte er sich aber noch einmal zu den verschärften Kontrollen in Pflegeeinrichtungen geäußert. Den Post beendete er mit dem Satz „Bin auf'n Balkon - klatschen!“ Dafür gab es viel Zuspruch aus der Community. ⬇

Immer schön authentisch bleiben!

Die Idee der Pflege-Influencer findet der Münchner Pflege-Experte Claus Fussek gut. Vorausgesetzt, die Personen treten authentisch auf. Wenn sie auf ihren Profilen nur Positives zeigten, fühlte sich der Nachwuchs spätestens nach den ersten Tagen im Beruf veräppelt, warnt Fussek.

Beliebte Hashtags

#pflegehelden

#pflegemitherz

#pflegeberuf

#pflegealltag

#pflegekräftesindhaltso

#typischaltenpflege

#pflegemithumor

Pflege-Alltag mit viel Humor

Mit viel Humor auch über das sprechen, was nicht läuft. Damit ist Altenpfleger Jim alias jimboy27 auf TikTok und Instagram bekannt geworden. 322 000 Fans hat er auf TikTok, 17 000 sind es auf Instagram.

Unter Hashtags wie #typischaltenpflege oder #pflegemithumor stellt der junge Pfleger Alltags-Szenen nach. Legendär ist dabei seine fiktive Kollegin Angelika oder Bewohnerinnen wie Frau T, die es beim Haare-Waschen nicht zu warm und nicht zu kalt haben will. 

Konkurrenz unter Pflege-Einrichtungen 

Von solchen Leuten hätten Pflegeeinrichtungen gerne mehr. Der Nachwuchs-Markt ist umkämpft, weiß Anne Ertel. Die Pflegedirektorin der Krankenhaus GmbH Landkreis Weilheim-Schongau in Oberbayern berichtet von teilweise aggressivem Versuchen anderer Kliniken, Fachkräfte abzuwerben. 

Ihr Team entwickelt verschiedene Formate, um junges Personal für den Beruf zu begeistern. In den sozialen Netzwerken sind ihre Einrichtungen unter dem Titel „Mia san Krankenpflege“ aktiv. 

Kreative Projekte für den Nachwuchs

Ihre Projekte für den Nachwuchs: ein Candlelight-Dinner, eine Halloween-Party und die Reihe „First Monday for Jobs“. Und damit die neuen Kolleginnen und Kollegen auch langfristig bleiben, bietet das Haus seinen Mitarbeitern günstige Wohnungen in der unmittelbaren Umgebung an. 

Pfleger Dustin Struwe rappt über seinen Beruf

Dustin geht noch einen anderen Weg, Jugendliche auf seinen Pfleger-Job aufmerksam zu machen: Der gebürtige Berliner rappt über seinen Berufsalltag. Seine Videos haben bis zu 60 000 Aufrufe auf YouTube. In dem Song „Letzte Tür“ rappt er über Frühschicht und das Arbeiten an Feiertagen - während alle anderen ausschlafen können. 

Angebote für Werbung 

Während Jimmy durchaus seine Posts als Anzeigen kennzeichnet, reagiert Dustin da anders. Mittlerweile habe ihm bereits ein Kollege aus der Pflegebranche Geld geboten, wenn er in seinen Beiträgen Werbung für das Unternehmen macht. Er lehnte ab. Er habe sich mit dem Angebot nicht identifizieren können. Grundsätzlich könne er sich aber Kooperationen mit Heimen zum Beispiel für Stellenanzeigen vorstellen.

Pflegebranche nicht aus den Augen verlieren

Die Corona-Pandemie ist nicht überwunden. Aber eine Sache hat sich im Vergleich zu den ersten Monaten verändert: Es gibt keinen Applaus mehr für Pflegekräfte. Und mehr Geld anscheinend auch nicht. Darauf macht die Satire-Sendung extra3 Ende August aufmerksam.