Wo warst du, als du von den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erfahren hast? Viele Menschen können diese Frage auch 25 Jahre später sofort beantworten.
Am Morgen des 11. September 2001 entführten 19 Terroristen des Terrornetzwerks Al-Qaida vier Passagierflugzeuge. Zwei Maschinen flogen in die Türme des World Trade Centers in New York, eine weitere in das Pentagon bei Washington. Das vierte Flugzeug stürzte nach dem Widerstand von Passagieren und Besatzungsmitgliedern in Pennsylvania ab.
2.977 Menschen aus mehr als 90 Ländern wurden bei den Anschlägen getötet.
Der 11. September gehört deswegen für viele Menschen zu jenen Tagen, bei denen sie noch genau wissen, wo sie waren und was sie gerade getan haben, als sie von den Anschlägen erfuhren. Hier erzählen dir Menschen aus der indeon-Redaktion und unserer Community, wie sie diesen Tag erlebt haben.
2001 war Stefanie Bock in der Türkei unterwegs. So erinnert sie sich an den 11. September:
Jörn von Lutzau hatte schon vor 2001 eine besondere Verbindung zu New York. Fünf Jahre vor den Anschlägen hatte er das World Trade Center selbst besucht.
Andreas Fauth war am 11. September 2001 bereits als Radioredakteur für das Kirchenprogramm auf Hit Radio FFH zuständig.
Wir haben uns im Funkhaus getroffen, der Schock stand uns im Gesicht, aber wir mussten funktionieren: Interviews führen, Hörerinnen und Hörer am Telefon trösten – bis tief in die Nacht.
Alle hatten Redebedarf, im Sender und in den Kirchen vor Ort.
Es war eine lange Nacht, verbunden mit der Frage: Gibt es jetzt in Afghanistan Krieg? Greifen die USA ein?
Und wir hofften: Bitte nicht!
Höhepunkt dann am anderen Morgen in den FFH-Nachrichten um 5 vor 7 Uhr: Ein Gebet, das Vater Unser – denn wir alle suchten Trost.
Noch nie habe ich so aufgewühlte emotionale Interviews geführt, noch nie haben so viele Menschen vor dem FFH-Mikro geweint.
Der 11. September war für uns ein kollektiver Schock, der sich noch heute an den Sendemitschnitten von vor 20 Jahren nachfühlen lässt.
Zum 20. Jahrestag 2021 haben wir die indeon-Community auf Instagram gefragt, wie sie den 11. September erlebt hat.
Fünf Jahre später lesen sich diese Erinnerungen wie kleine Momentaufnahmen: eine Couch, eine fast fertig eingerichtete Tierarztpraxis, ein Schultag am Bach.
Franzi schrieb: „Ich war bei einer Freundin auf der Couch und wir haben Fernsehen geschaut. Als die Mutter reinkam und umgeschaltet hat, habe ich es aber nicht realisiert, dass es echt ist. Ich dachte erst, das ist ein Actionfilm…“
Astrid erinnert sich: „Das war eine Woche, bevor ich meine Tierarztpraxis eröffnet habe. Ich war am Schränkeeinräumen und hatte einen Termin mit einer Vertreterin. Die Dame kam in die Praxis und fragte, ob ich ein Radio hätte, da sie gerade im Auto gehört hatte, dass ein Flugzeug ins World Trade Center geflogen sei.
Dann hörten wir gemeinsam von dem zweiten Flugzeug. Wir schauten uns an und begriffen, dass das kein Zufall, kein Unfall sein kann. Wir wurden beide kreideweiß.
Als sie dann gegangen war, bin ich sofort rüber in die Wohnung geflitzt und sah dort im Fernsehen die Türme einstürzen. Ich war geschockt und bin es noch heute, wenn ich daran zurückdenke.
Unbegreiflich, wozu Menschen fähig sind und das angeblich im Namen Gottes.
Dieser Gott ist ja sogar unser gemeinsamer Gott. Die drei abrahamitischen Religionen haben wir vor ein paar Jahren mit unseren Kiki-Kids erkundet, die haben das sehr viel besser begriffen als die angeblichen Gotteskrieger. 😢
Clarissa war damals in der Grundschule: „4. Klasse und wir sollten einen Bach untersuchen. Wasserproben nehmen, beschreiben etc. Als ich happy heimkam, sagte meine Mom nur: ‚Gut, dass du daheim bist.‘ Und im TV liefen schon die Bilder…“
Die Kommentare stammen aus unserem Instagram-Aufruf von 2021. Rechtschreibung und Zeichensetzung haben wir für die Veröffentlichung behutsam angepasst.
Die Frage, die Andreas in jener Nacht beschäftigte, wurde wenige Wochen später Realität.
Nach den Anschlägen berief sich die NATO erstmals in ihrer Geschichte auf den Bündnisfall nach Artikel 5. Am 7. Oktober 2001 begannen die USA und Verbündete ihre Militäroperationen in Afghanistan. Es folgte ein fast 20 Jahre dauernder internationaler Militäreinsatz.
2021 zogen die internationalen Truppen ab. Die NATO-geführte Mission „Resolute Support“ endete Anfang September 2021. Kurz zuvor hatten die Taliban erneut die Macht in Afghanistan übernommen.
Die politischen und gesellschaftlichen Folgen des 11. September reichen weit über diesen Krieg hinaus. Sie prägen Debatten über Terrorismus, Sicherheit, Krieg und das Verhältnis zwischen Religionen bis heute.